gegründet 1819 als erstes evangelisches Waisenhaus in Berlin

 

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190 Jahr Feier


„Mit Gottes Hilfe und durch guter Menschen Beistand"
190 Jahre Wadzek-Stiftung


Die im Jahre 1819 von Friedrich Franz Daniel Wadzeck gegründete Stiftung, die ihren Hauptsitz in der Lichterfelder Drakestraße hat, stellt eine nach neuesten pädagogischen Maßstäben differenzierte heilpädagogische Jugendhilfeeinrichtung mit evangelischer Tradition dar. Hier werden Kinder aus Familien betreut, die in schwierigen Verhältnissen leben.
Ziel aller Maßnahmen ist es, dass die Kinder möglichst wieder zurück in ihre Familien finden. Deshalb entlässt die Stiftung die Eltern nicht aus ihrer Pflicht dem eigenen Kind gegenüber, während dieses in einer der Einrichtungen des Jugendhilfeträgers lebt.

Wie anerkannt die Arbeit der Wadzek-Stiftung ist, zeigte sich am 12. September 2009, als das 190- jährige Bestehen gefeiert wurde.
 


Der besondere Schwerpunkt in der stationären heilpädagogischen Arbeit des Kinderheimes liegt in der Differenzierung der Angebote in möglichst kleine und individuelle Betreuungsformen. Bei deren Gestaltung ist die Aufmerksamkeit ständig darauf gerichtet, die Bedingungen für eine gelingende Beziehungsgestaltung zwischen den Kindern und den Pädagogen durch kleine Gruppengrößen möglichst förderlich zu gestalten. In kleinen sozialen Zusammenhängen bietet sich den Kindern ein Lernfeld, in dem sie oftmals jahrelang verfestigte Verhaltensformen durch neue Erfahrungen auflösen und durch neue Muster ersetzen können. Für die Mitarbeiter/innen wird in den individuellen Betreuungsformen weitgehend der Anspruch einlösbar, ein selbstverantwortliches und Eigeninitiative abforderndes Arbeitsgebiet auszufüllen.

Auch im Tempelhof-Schöneberger Ortsteil Lichtenrade unterhält die Stiftung eine Einrichtung.
Eltern, deren Kinder wieder in die Herkunftsfamilien zurückgeführt werden sollen,
werden von dem Jugendhilfeträger im Rahmen von regelmäßigen therapeutischen Elternund
Familiengesprächen unterstützt.


Gleich drei Jugendstadträtinnen
nahmen an der Jubiläumsfeier teil.

Foto:
erste Reihe neben dem Vorsitzenden des Kuratoriums der Stiftung, Prof. Dr. Günter Köhler, die stellvertretende Bezirksbürgermeisterin von Spandau und Stadträtin für Jugend und Familie Ursula Meys, Anke Otto, Stadträtin für Jugend, Schule und Umwelt in Steglitz-Zehlendorf, und Angelika Schöttler aus Tempelhof-Schöneberg, Stadträtin für Familie, Jugend, Sport und Quartiersmanagement.

Durch unterschiedliche Maßnahmen wird angestrebt, die Eltern bei der vollzogenen Trennung von den Kindern in die Verantwortung für ihre Kinder einzubeziehen. Insbesondere gilt es, Möglichkeiten unterhalb des Schwelle von "therapeutischen Settings" zu entwickeln und zu nutzen, da letztere von den betroffenen Familien manchmal nur schwer angenommen werden können. Fast ausnahmslos alle Kinder kommen mit erheblichen schulischen Defiziten zur Wadzek-Stiftung. Durch gute Zusammenarbeit mit den in der Umgebung des Hauses in der Drakestraße liegenden Schulen, gelingt häuft schnell eine Verbesserung. Im Einzelfall muss ein zusätzliches schulisches Förderangebot durch Nachhilfelehrer oder schulische Einzelfallhelfer bereitgestellt werden.

Das Schulprojekt "Kleine Schule" richtet sich an Grundschüler und Kinder bis zur 6. Klasse unterschiedlicher Schulformen. Die Kinder sind in aller Regel stationär untergebracht und besuchen von ihrer Betreuungsgruppe aus das Schulprojekt.

Es ist eher ungewöhnlich, wenn der Hausherr seine Gäste bei einem Rundgang besonders auf den Sanitärbereich hinweist. Nicht aber, wenn dieser Bestandteil der Feierlichkeiten ist. Denn die Jubiläumsfeier bildete den Abschluss eines aufwendigen Modernisierungs-Projektes und das damit verbundene bürgerliches Engagement.




Foto:
Der Geschäftsführer der Wadzek-Stiftung, Peter Gizzi (links), zeigte bei einem Rundgang
durch das Gebäude den Klassenraum des Schulprojektes. Rechts im Bild Prof. Dr. Klaus-
Dieter Groth, Mitglied des Kuratoriums der Stiftung.
 


Geschäftsführer Peter Gizzi stand nämlich seit vielen Jahren vor einem Sanierungsproblem: die Gelder, die ihm für die Arbeit bewilligt werden, muss er in Fachpersonal investieren, um eine stabile und gute Betreuung zu garantieren. Daher konnte in den letzten 40 Jahren keine Modernisierung und Instandsetzung angegangen werden. Da der Verfall der Einrichtung voranschritt, wurde die Sorge, dass bald die Betreuung der Kinder gefährdet sein könnte, immer präsenter. Thomas Frohne von der Berliner Baugenossenschaft e.G. und Mitglied im Kuratorium der Wadzeck-Stiftung stellte den Kontakt zwischen der MF-Mercedöl GmbH, der Firma Theodor Bergmann GmbH&Co.KG sowie dem ECOPLAN GmbH Ingenieurbüro und Peter Gizzi her. Alle Firmen haben sich sofort bereit erklärt, dieses Projekt zu unterstützen. Der Bauumfang lag bei etwa 500.000 Euro, die Hälfte davon wurde von den Bau- und Ausstattungsfirmen
gespendet.

Nicht nur das ist ein erwähnenswerter und außergewöhnlicher Vorgang, auch, dass alle Arbeiten innerhalb von sechs Wochen im wahrsten Sinne des Wortes vom Keller bis zum Dachgeschoss durchgezogen werden konnten, grenzt an ein Wunder. Oder doch nicht? Schließlich ist das Motto der Stiftung der Satz ihres Gründers: „Mit Gottes Hilfe und durch guter Menschen Beistand.“ Der Liebe Gott sorgte zur Jubiläumsfeier für schönes Wetter und die guten Menschen nahmen persönlich teil. In Anspielung auf ein ungewöhnliches Finanzierungskonzept von Franz Daniel Wadzek, mit dem er schon für sein erstes Haus Geld einwarb, erhielt jeder Förderer eine Dankes-Aktie in einem schmucken Bilderrahmen. Mit Sicherheit hängen die Unternehmen diese Urkunde in ihren Büros auf, denn es ist viel mehr als nur Angabe, sich finanziell für ein Projekt wie die Wadzek-Stiftung zu engagieren. Wadzek, am 10. August 1762 in Berlin geboren und am 2. März 1823 hier gestorben, wirkte nach dem Examen 1784 zunächst als Kanzelredner in Berlin und erhielt 1788 eine Professur für Physik und Naturgeschichte am Königlichen Kadettenkorps, Neue Friedrichstraße (heute Littenstraße), dessen Bibliothek er aufbaute. Daneben bekam er zugleich eine Anstellung am Collegium medicum. Seit 1809 gab er auf eigene Kosten das „Nützliche und unterhaltsame berlinische Wochenblatt für den gebildeten
Bürger und denkenden Landmann“ heraus.


Nachdem er in gerichtlichen Auseinandersetzungen mit Friedrich Ludwig Jahn über das Turnen unterlag, wurde er in den
Ruhestand versetzt und engagierte sich fortan für arme Kinder und Waisen. In seinem Gartenhaus in der Mudricks-Gasse eröffnete er am 3. August 1819 für diese Kinder eine Erziehungsanstalt, in die er sein ganzes Vermögen investierte und die schon bald 400 Insassen hatte. Da sein Vermögen nicht ausreichte, schaute er sich nach Sponsoren um und entwickelte den genialen Plan, Aktien herauszugeben, allerdings zinslos. Er versprach jedoch, das Geld, wenn es dann möglich wäre,
zurückzugeben. Viele waren von der Idee fasziniert. Niemand glaubte jedoch ernsthaft an eine Erstattung und verzichtete gleich auf seinen Anspruch. So blieben die Aktien damals wie heute ein Erinnerungsstück an eine gute Tat.

 


Foto:
Eins der neugestalteten Bäder.

Neues


Grußbotschaft
des regierenden Bürgermeisters zur
190 Jahr Feier.

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