Familienarbeit

Unser Leitbild Nr. 1 lautet: Familien haben Anspruch auf Hilfen, die ihnen ermöglichen, (wieder) mit ihren Kindern zusammen leben zu können, und sie haben Anspruch auf Einbeziehung in unsere Erziehungsarbeit. Das bedeutet, Familienarbeit ist untrennbar mit unseren Betreuungsangeboten verbunden. Wir haben folgende Standards festgelegt:

Den Eltern werden mindestens einmal im Monat ein- bis zweistündige Elterngespräche in den Räumen der Wadzeck-Stiftung angeboten. Nach Bedarf werden auch Hausbesuche durchgeführt. An den Elterngesprächen nehmen der/die Familientherapeut/in, eine pädagogische Betreuungs-person und das Kind bzw. der Jugendliche teil. In Krisenzeiten können Elterngespräche in kürzeren Abständen stattfinden.Wadzeck-Stiftung-Familienarbeit-4.5.-(2)

Leben die Eltern getrennt, finden die Gespräche mit Mutter und Vater getrennt statt. Neue LebenspartnerInnen und/oder wichtige Bezugs-personen aus dem weiteren familiären oder sozialen Umfeld des Kindes werden einbezogen.

Wir erwarten und fördern einen regelmäßigen Kontakt zum Kind. Die konkrete Ausgestaltung von Beurlaubungen nach Hause an Wochenenden und in den Ferien können im Hilfeplan vereinbart werden. Zwischen den Beurlaubungen finden sowohl zwischen Eltern und Kind/Jugendlichen als auch zwischen Eltern und BetreuerInnen regelmäßig Telefonate statt.

Je nach individuellen Erfordernissen werden verschiedene spezielle Methoden der Familienarbeit eingesetzt:

Biografiearbeit – Wenn aufgrund nicht erreichbarer oder nicht mehr lebender Eltern die Kontaktmöglichkeit nicht gegeben ist, wird mit den betroffenen Kindern/Jugendlichen eine individuell angepasste Auseinandersetzung mit ihrer Herkunftsfamilie/Lebensgeschichte geführt. Erarbeitung unter anderem über die gemeinsame Erstellung eines sogenannten „Lebensbuches“/ „Erinnerungsbuches“.

Wadzeck-Stiftung-Familienarbeit-4.5.Elterncoaching – Einbezug der Eltern in den Alltag ihres Kindes in der Wohngruppe, Begleitung von Eltern-Kind-Aktivitäten, Auswertung des Eltern-Kind-Kontaktes und Vorbereitung der nächsten Sequenz.

„Starke Eltern – starke Kinder“ Gruppe – gruppenübergreifende Eltern-gruppe zur Stärkung der Erziehungsfähigkeit nach dem Konzept des Deutschen Kinderschutzbundes mit Erledigung der damit verbundenen Wochenaufgabe (14-tägig).

„Familienscout“ – Fachkräfte, die in besonderer Weise zuständig sind für das Sammeln von Daten zu der Lebensgeschichte der von uns betreuten Kinder/Jugendlichen und deren Familien.

Familienrat (nach der Methode des Family-Group-Conference) – die aus Neuseeland stammende Methode geht davon aus, dass die AdressatInnen von Hilfen hinsichtlich Art und Umfang angemessener Angebote für ihre Problemlagen grundsätzlich entscheidungskompetent sind.

Der Familienrat ermöglicht Eltern, eigene Lösungen für sich und die Zukunft ihrer Kinder zu finden. Die Familie entscheidet selbst, wer am Familienrat teilnimmt (Familienmitglieder und hilfreiche Personen aus dem sozialen Umfeld/Institutionen). Die Kindeswohlsicherung wird durch ein „Veto-Recht“ der fallzuständigen Fachkräfte gewährleistet. Teilnehmende Kinder/Jugendlich können sich „Paten“ an die Seite nehmen, die sie bei der Artikulation ihrer Bedürfnisse unterstützen.

Die Koordinatorin/der Koordinator unterstützt die Familie bei der Organisation des Familienrates und übernimmt die Moderation der Familienrat-Phasen 1,2 und 4 (Vorbereitungs- Beratungs- und Entscheidungsphase). In Phase 3 – Diskussionsphase – entwickelt die erweiterte Familie ohne Anwesenheit von Fachleuten einen Lösungsplan.

Falls von allen Beteiligten gewünscht, kann jedoch die Koordinatorin/der Koordinator zur Strukturierung der Diskussionsphase herangezogen werden. In der Entscheidungsphase präsentiert der Familienrat den Lösungsvorschlag. Ist die fallverantwortliche Fachkraft einverstanden, wird ein Termin für eine erste Überprüfung (ca. 3 Monate) vereinbart. Hält das Jugendamt die Lösung für ungeeignet, wird der Familienrat erneut in die Diskussionsphase gehen, um eine für alle akzeptable Lösung zu finden.